pushcart (Mim & Bob)
Jahrgang: 1985 & 1988
- Bob
- Emerald Rising Kapitel 1-3 [Fireangels] (2010-2012)
- 1000 Fragen und eine Kartoffel [ÖAW] (2019)
- Merci [ÖAW] (2021)
- pushcart (Mim & Bob)
- Remembering Gale 1-5 (seit 2015)
pushcarts kreative Reise 1999-2023


Ein paar Fragen an pushcart:
Was liebt ihr/gefällt euch am Medium Comic/Manga am meisten?
Mim: Am Medium Comic liebe ich wie vermutlich alle, die Verbindung von Wort und Bild. Ein Schritt entfernt von der Animation und mit mehr kreativem Outlet als ein Roman.
Manga im spezifischen treibt das in meinen Augen zur Perfektion. Das Pacing und das Paneling haben mir als Jugendliche das Gefühl gegeben, die Geschichte vor meinen Augen habe sich wirklich bewegt.
Die Ausdrucksstarken und meiner Erfahrung nach emotionalere vermittlung der Inhalte, haben mich dann vollends von diesem Stil überzeugt.
Was war eure schönste Erfahrung im Selfpublishing deiner Manga?
Bob:
Zum einen, wenn Menschen bei Szenen unseres Manga schreiben, wie sehr sie sich darin gesehen fühlen und dass der Comics seit Jahren schon für sie ein kleines Highlight geworden ist. Viele sind seit Anfang an dabei und ich finde die Vorstellung schön, dass all diese Menschen ein eigenes Leben mit Höhen und Tiefen haben, aber irgendwo darin auch unsere Geschichte einen Platz hat.
Zum anderen, dass Artists, die ich jahrelang still bewundert habe, von sich aus sagen, wie sehr sie unser Werk mögen. Das rettet mich häufig in den dunkelsten Stunden, wenn ich mal wieder Selbstzweifel habe.
Seid ihr bewusst im Selfpublishing und wenn ja, warum?
Mim:
Ja.
Manga zeichnen ist eine unglaublich anstrengende Arbeit, die von Verlagen auch heute noch für die geforderten Konditionen viel zu gering bezahlt wird. Ohne Einschränkungen und sinnlose Kompromisse (Begrenzte Kapitellängen, Strikte Genreeinteilung etc.) an Geschichten arbeiten, die vielleicht nicht sofort "markttauglich" wirken, aber dafür genau unsere kreative Vision vermitteln ist mir wichtiger als eine etwas größere Reichweite und Medienpräsenz. An der kann man ja auch selbst noch arbeiten... =D
Derzeit könnte mir kein Verlag die Summe zahlen, die ich verlangen würde, um meine Rechte und künstlerische Freiheit daran aufzugeben.
Würdet ihr gerne Vollzeit Manga zeichnen, wenn ihr es euch finanziell erlauben könntet?
Mim:
Wenn Vollzeit bedeutet, nur durch den Comic/ unsere kreativen Werke den Lebensunterhalt zu verdienen, dann: Ja, definitiv. Allerdings eben in geregelten Arbeitsstunden die sich meiner Lebensrealität anpassen =D
Bob:
Ja, aber nur wenn Vollzeit 40-50 Stunden bedeutet. auf 70 Stunden pro Woche könnte ich gerne verzichten :^)
Wie viele Stunden arbeitet ihr in der Woche ungefähr an eurem Manga?
Mim:
Iiich habe keine Ahnung. Aus gesundheitlichen Gründen komme ich vermutlich gerade nur knapp auf 4-5h die Woche.
Bob:
Zeichnen vielleicht 15-20 Stunden, Socials und alles was dazu gehört vielleicht nochmal 10
Könnt ihr von euren Werken leben?
Mim: Nein, aber sie bringen dennoch einen guten Beitrag im Monat ein.
Bob: Als Solo-Artist vielleicht (sehr schlecht), aber als Duo absolut nicht.
Was glaubt ihr, müsste sich in der Zukunft verändern, damit sich die Lage für Indie Mangaschaffende verbessert?
Mim:
Ich glaube der Austausch muss besser werden. Wir haben alle unglaublich viel Know-How und wichtige Erfahrungen gesammelt die uns allen zu Gute kommen würden und verhindern würden, dass Neulinge in dieselben Stolperfallen laufen.
Ein Netzwerk, bei dem man sich Rat für alles holen kann. =)
Eine neue/neu aufgelegte deutsche Online/App Plattform zum Comics/Manga veröffentlichen, mit der man auch junge Lesende erneut abholen kann und Sichtbarkeit schafft (und die am Besten nicht in Verlagshand ist und harte Gewinnabsichten fährt).
Wir müssen lernen Strategien zu erarbeiten die uns allen helfen, sowohl vor Ort auf Conventions, aber vor allem Online die Sichtbarkeit zu bekommen die wir brauchen.
Zudem finde ich es extrem wichtig, dass wir unser Publikum zu realistischeren Wartezeiten im Bezug auf Upload- und Veröffentlichungsrhytmen erziehen. Es gibt genug Beispiele die Belegen, dass das geht und es würde uns allen eine große Erleichterung bringen.
Bob:
Eine bessere Vernetzung und auf jeden Fall ein besseres Image für die Indie-Szene-Fremden. Das fängt schon da an, dass sich Verlagszeichnende und Independent-Leute auf Augenhöhe befinden sollten und das auch so in ihren Sprachgebrauch einfließen lassen. Ich kotze jedes Mal im Strahl, wenn ich höre, dass Verlagsleute als die "richtigen" Mangaka bezeichnet werden. Wenn man den Anspruch hat, von seinen Werken zu leben und mindestens die gleiche Arbeit reinsteckt, wie ein Verlagsmangaka, dann sollte man auch gleichen Respekt und Anerkennung bekommen.
Welchen Stellenwert nehmen Conventions für euch und euren Manga ein?
Tatsächlich einen großen, aber da wir kein Auto haben und Bücher schwer sind, können wir nicht wirklich an vielen teilnehmen :') (EHEM, kauft Bücher auch in Onlineshops BITTE T_T <3)
Welche Unterschiede oder Besonderheiten seht ihr zwischen dem Mainstream-Manga und den Werken unabhängiger Mangaschaffenden in Bezug auf den deutschsprachigen Markt?
Bob:
Ich finde, es gibt wenig Risikobereitschaft im Verlagswesen, was ich natürlich aus wirtschaftlicher Sicht verstehen kann. Indie-Geschichten haben diesen Druck nicht, da kann man kreativ ausrasten, wie man möchte, wenn man denn möchte. Was mich wirklich betroffen macht, ist die Tatsache, dass man noch immer auf eine bestimmte Seitenanzahl pro Kapitel pocht, obwohl die meisten Stories sofort als ganze Bände veröffentlicht werden, statt wöchentlich erstmal in irgendeiner Zeitschrift. Das engt meiner Meinung nach den kreativen Prozess ein und lässt den Autor*innen nicht die Zeit, die die Geschichte und Charaktere vielleicht bräuchten, um richtig nahbar zu sein. Vielleicht bin ich alt, aber die meisten Geschichten gehen mir heutzutage viel zu schnell.
Was sind eure Pläne für die Zukunft, im Bezug auf eure Werke?
Mim:
Weitermachen, fertig werden, nächste Serie! =D Vielleicht mal überlegen wie wir Social Media Marketing etwas verbessern können und unsere Zeiteinteilung optimieren.
Bob:
Weitermachen. Remembering Gale abschließen und dann all die wunderbaren Geschichten zeichnen, die seit Jahren in der Schublade warten. Es wird nicht weniger :')
Auf welcher Veröffentlichungsplattform bzw. mit welchem Veröffentlichungsweg fühlt ihr euch am wohlsten?
Bob:
Remembering Gale ist als Buch ausgelegt und so auch gelayoutet. Es wirkt meiner Meinung nach auch nur so richtig gut.
Deswegen haben wir auch darauf verzichtet, unsere Seiten für den Online-Upload zu zerschneiden und für Scrolldown attraktiver zu machen, weil man so ein ganz anderes Pacing erzeugen kann als das, was dann final im Buch ist.
Was sind eurer Meinung nach die größten Herausforderungen für unabhängige Mangaschaffende, die im deutschsprachigen Raum arbeiten?
Mim:
Sichtbarkeit und die eigene Unsicherheit.
Sowohl vor Ort auf Conventions als auch Online stellen Indie-Manga eine Randerscheinung dar, die selten von Veranstaltern richtig ernstgenommen oder aktiv ins Rampenlicht gestellt wird. Steigende Standkosten tun ihr Übriges um die Sortimentsauswahl für viele weg vom Buch und hin zum Merch zu drängen.
Gerade die Veränderungen der letzten Jahre im Bereich der Social-Media Algorithmen hat vielen die Grundlage zum Kontaktaufbau mit ihren Lesenden genommen.
Gleichzeitig haben uns die ersten Jahre Social-Media gezeigt, wie GUT es laufen kann, WENN man diesen Kontakt aufbauen kann.
Da wir noch eine recht junge Szene sind, stehen wir uns auch noch selbst manchmal im Weg. Das Selbstbewusstsein auf unsere Werke zu schauen und stolz auf das zu sein was wir tun kommt bei vielen nur langsam durch.
Viele fühlen sich leider noch immer genötigt einen "Verlagsritterschlag" zu erhalten um sich zu beweisen, dass ihre Arbeiten Wert haben und lassen sich dafür auf furchtbare Arbeitsbedingungen oder Konditionen ein. Es wäre schön, wenn sich das auch endlich ändern könnte. Wir machen gute Sachen!
Bob:
Das schlechte Image von Indie-Manga. Dass man nach wie vor zu schlecht für den Verlag ist, ist bei vielen noch in den Köpfen drin. Es hat Jahrzehnte gebraucht, um deutsche Verlagswerke beim Zielpublikum irgendwie als "würdig genug" zu etablieren, und gefühlt wird immer weiter nach unten getreten.
Habt ihr das Gefühl, dass ihr von eurem (fachfremden) Umfeld (Familie, Kolleg*innen) für das Zeichnen ernst genommen werdet?
Mim:
Schwierig. Es gibt nicht viele fachfremde Menschen mit denen ich oft darüber spreche. Meine eigene Familie hält sich da eher bedeckt, aber obwohl ich glaube, dass sie den Aufwand und die Qualität durchaus anerkennen, denke ich nicht, dass sie es als Berufsweg sonderlich ernst nehmen.
Bob:
Meine Familie hat meinen künstlerischen Werdegang immer gefördert. Allerdings denke ich, sie würden sich mehr freuen, wenn ich mal “richtige” Kunst machen würde. Zumindest können sie mit dem Medium Manga nicht viel anfangen. Ich denke, niemand von ihnen liest unsere Geschichten.
Gab es eine bestimmte technische Innovation/ eine Entwicklung in der Szene (bzgl. Druckerzeugnissen, Arbeitsmaterialien, Marketing etc.), die eure Arbeitsweise nachhaltig geprägt und positiv verändert hat?
Mim:
Digitales Rastern mit Clip Studio Paint war eine großartige Erleichterung und Möglichkeit die Ergebnisse zu erzielen, die ich wollte.
Bob:
Google Street View! Ich kann mir lokale Details recht einfach zusammensuchen, indem ich virtuell durch Tokyo laufe, anstatt mir Jahre vorher Gedanken zu machen, welche Fotos ich für welche Szene schießen muss.
Hat sich euer Anspruch an das Mangazeichnen über die Jahre verändert? Und wenn ja, wie?
Mim:
Jein. Es ist eine etwas ambivalente Situation:
Einerseits ist mein Anspruch an die Arbeit die ich mache definitiv gestiegen, aber gleichzeitig in anderen Aspekten auch gesunken? Ich denke, dadurch dass man sich verbessert und andere Werke liest merkt man ganz natürlich wo die eigenen Grenzen liegen und möchte diese eventuell auch aus Respekt vor dem eigenen Werk ausreizen und durchbrechen.
Gleichzeitig möchte ich das nicht auf biegen und brechen erzwingen und mich selbst damit unter Druck setzen. "Done is better than perfect." und zu begreifen, dass mir der Spaß an der Arbeit und dem Prozess wichtiger ist, als das absurde Nachjagen einer wahrgenommenen Perfektion hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen. Ich werde schon noch besser...nur halt vielleicht etwas langsamer. Gesünder. =)
Was sich allerdings doch definitiv verändert hat, ist der Anspruch darauf, dass Ganze hier vielleicht doch finanziell erfolgreicher durchzuziehen als anfänglich geplant. Ich weiß noch nicht wie realistisch dieser Anspruch ist und wie gut ich ihn finde, aber auch das wird sich hoffentlich mit der Zeit zu einer zufriedenstellenden Lösung führen lassen.
Bob:
Mein Anspruch ist weg vom schnellen produzieren. Ich zeichne jetzt wieder traditionell, weil mir das digitale Zeichnen leer vorkommt, obwohl ich anders sicherlich schneller wäre. Auch glaube ich, dass ich mit all den vielen Hilfsmitteln zu abhängig werde. Mein Anspruch ist also, mich in meinem eigenen Tempo zeichnerisch zu verbessern und auf dem Weg dorthin entstehen beiläufig Bücher.
Was würdet ihr eurem früherem „Ich“ gerne mit auf den Weg geben?
Mim:
Sei einfach weiterhin dein gut gelauntes, unangepasstes Selbst. Du weißt genau was du willst und auch wenn dir das Leben einiges hinwirft, mach dir keine Sorgen: Du landest genau da wo du immer sein wolltest! <3
Bob:
Dein Leben wird großartig, gib nicht auf! Du wirst niemals ein Bild so zeichnen, wie in deiner Vorstellungskraft, aber das ist egal! Wenn du deine Zeichnung am nächsten Tag hasst, ist das okay ‒ in 20 Jahren wirst du sie feiern!
Möchtet ihr sonst noch irgendetwas in die Welt schreien?
Fick den Kapitalismus und VIVA LA INDIE :^)
Remembering Gale
Drama / Romance / Slice of Life / Queer
Es ist Sommer, als Rem sein altes Leben zurücklässt, um Lehrer an einer internationalen Highschool zu werden... 'Remembering Gale' erzählt die Geschichte einiger Schüler und ihres neuen Lehrers. Es ist Sommer, als ihr Leben eine unerwartete Wendung nimmt und sie zwingt, sich ihren Ängsten zu stellen um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

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