Ilka "Fiothin" Flanze

Jahrgang: 1990
  • Verkatert [VERnarrt Anthologie] (2014)
  • Zurück (2016)
  • Zuemo (2016)
  • Zweisam (2017)
  • Würfel mal auf Wahrnehmung (2018)
  • Zu Hause (2019)
  • Zocker 1-6 (2015-2020)

Fiothins kreative Reise 2004-2020

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Ein paar Fragen an Fiothin:

Als ich als Kind das erste mal auf Mangas gestoßen bin und noch gar nicht wusste, dass manche Leute eine Kluft zwischen „Manga“ und „Comic“ aufmachen, ist mir als größter Unterschied zu den Comics auf der Rückseite von Kakao-Packungen, den lustigen Taschenbüchern und Asterix und Obelix der starke Fokus auf Emotionalität aufgefallen.

Große Emotionen nehmen viel Platz auf der Seite ein, Proportionen werden verzerrt, um Effekte zu unterstreichen, es wird auf Gesichter und kleine Gesten gezoomt, um Gefühle zu transportieren. Das hat mich als sensibles Kind enorm abgeholt.

Beim Erzählen und Zeichnen stehen Gefühle bei mir auch im Mittelpunkt. Es geht immer um Beziehungen; zu Familie, Freund*innen, Partner*innen und sich selber.

Mit meiner Entdeckung des Internets, Indie Comics und dem größeren Verlagsangebot habe ich viele (internationale) Comics kennengelernt, die genauso oder ganz anders (aber ebenso wirkungsvoll) Emotionen transportieren und mich auf die Reise mitnehmen. Ich mache da keinen Unterschied mehr zwischen Mangas und Comics.

The friends I made along the way! Ich habe großartige Menschen durch das Selfpublishing kennengelernt, seien es selber Comicschaffende oder Leser*innen. Uns alle verbindet eine gemeinsame Leidenschaft und ich könnte nicht dankbarer sein, mir ein so wohlwollendes, unterstützendes und inspirierendes Umfeld aufgebaut zu haben.

Wer hätte es gedacht – wenn man Comics veröffentlicht, lesen das sogar Leute!
Ob via Social Media und Mails oder in Person auf Messen, in Kontakt mit Menschen zu treten, die meine Geschichten lesen, ist das abgefahrenste Gefühl für mich. Ich liebe es, wenn Leute mir erzählen, in welchen Teilen meiner Geschichten sie sich wiedergefunden haben und was für Gefühle das Lesen bei ihnen ausgelöst hat. Ich glaube, ich zeichne, um Verbindungen mit anderen Menschen herzustellen und das Teilen von Erfahrungen erfüllt mich.

Nicht zuletzt freut mich auch die Wertschätzung, die meiner Arbeit von Leser*innen entgegengebracht wird, sei es durch Lob oder kreativen Ausdruck in Form von Cosplays, Fanart und Fanfiction oder Basteleien. Ich habe einen wahren Schatz an Erinnerungen und Kleinoden gesammelt.

Das Salz in meiner Comicsuppe!

Ja.
Frei entscheiden zu können, was für Geschichten und wie ich sie erzählen möchte, ist für mich der ausschlaggebende Punkt.
In vergangenen Gesprächen mit Verlagen über potenzielle Zusammenarbeiten lag der Fokus auf der Einordnung in Genres, Zielgruppen und der Vermarktbarkeit. Da habe ich mich eingeschränkt und in eine Form gepresst gefühlt. Außerdem möchte ich in Verlagsstrukturen, wie sie mir derzeit bekannt sind, nicht arbeiten (z.B. die Bezahlung ist im Vergleich zum Arbeitsaufwand nicht ausreichend, um davon gesund leben zu können).

Allerdings blicke ich wehmütig auf die Vorteile einer Verlagsveröffentlichung, wie z.B. dass jemand anderes den Verkauf und Versand übernimmt, dass im besten Falle Werbung für meine Werke gemacht wird und dass so neue Leser*innen darauf aufmerksam werden. Im Selfpublishing muss man sich um alles selber kümmern.
Ich schließe aber nicht aus, mich irgendwann mit einem bereits ausgearbeiteten Konzept bei einem Verlag zu bewerben und zu schauen, ob eine beidseitig vorteilhafte und angenehme Zusammenarbeit möglich ist.

Ja.
ABER.
Ich finde, bei dieser Frage muss man auch nach Privilegien und Lebensstandards fragen. Beispielsweise habe ich keine Kinder, muss mich um keine pflegebedürftigen Familienmitglieder kümmern und habe ein finanzielles Sicherheitsnetz (ein kleines Erbe).

Ich habe gelernt, mit wenig auszukommen, habe kein Auto und Urlaub ist absoluter Luxus für mich. Selbstständig zu sein bedeutet auch, selber für Krankheitsfälle vorzusorgen und sich etwas für die Rente zu überlegen.

Gerade im Moment kann ich von meinen Werken leben. Das kann sich aber jederzeit schlagartig ändern, sollte ich für längere Zeit krankheitsbedingt ausfallen, sollte ein neues Werk keinen Anklang bei der Leser*innenschaft finden oder wenn eine Webseite oder ein Onlinedienst plötzlich ihre Richtlinien ändern.

Abseits des Mainstreams zu agieren bedeutet für mich auch, kreativen Freiraum für genresprengende, nischige oder experimentelle Werke zu haben, z.B. auch auf der kreativen Spielwiese von Zines oder Kurzgeschichten. Und Geschichten, die eine Lücke im Verlagsmarkt schließen können. Nirgendwo werde ich so oft von Comics überrascht, wie in der Indie Szene.

Einen mittelgroßen.
Zum einen bieten Conventions eine wunderbare Möglichkeit zum Vernetzen und um sich Feedback einzuholen. Außerdem können einen mit einem schön gestalteten Tisch und Covern neue Leser*innen finden, die allein über Social Media sonst nicht auf einen aufmerksam geworden wären.

Auf Conventions nehme ich durch meine Comics am meisten ein. Gleichzeitig stellen Con-Gänger*innen aber auch nur einen Bruchteil der Comic-interessierten Szene dar. Ich selber habe bisher zudem nur auf Conventions in Deutschland ausgestellt. Die meisten Einnahmen habe ich aber durch digitale Comics via Patreon.

Ich habe das große Glück, dass mein Umfeld ausschließlich aus wertschätzenden Personen und welchen, die selber in einer kreativen Branche arbeiten, besteht. Meine Familie hat allerdings keinerlei Berührungspunkte mit Comics oder Kunst im allgemeinen und auch wenig Interesse daran. Nachdem ich nun aber 10+ Jahre im Selfpublishing unterwegs bin, erkennen sie auch an, dass man davon leben kann und es nicht nur eine fixe Idee oder kurze Phase ist. ;)

Das Zeichenprogramm Clip Studio Paint hat mein Leben im Bezug auf Comics verändert! Die Funktionen zum Rastern haben mir eine neue Welt eröffnet. Davor habe ich Comics ausschließlich analog gezeichnet und Grauflächen mit Aquarell und Bleistiften eingezeichnet und später in Photoshop viel mit der Stempel-Funktion gekämpft (Moiré ahoy!). Außerdem hat mit Clip Studio die Perspektivlineale beschert (mein ewiger Dank an Désirée Kunstmann/Nayght-tsuki für’s Erklären!), wodurch Hintergründe zeichnen auf einmal gar nicht mehr gruselig war.

Außerdem waren Webtoons und Patreon absolute Gamechanger für mich. Meine Comics auf Englisch zu übersetzen und somit ein viel größeres, internationales Publikum anzusprechen, von dem Teile bereit sind, mich finanziell auf Patreon zu unterstützen, hat mir ein neues Einkommen eröffnet, welches sich wiederum darauf auswirkt, wie viel Zeit ich in meine Arbeit aber auch in Ruhephasen investieren kann.

Im Grunde ist mein Anspruch an mich und das Zeichnen der selbe geblieben.
„Better finished than perfect“ ist mein Motto, ich stelle gerne Comics fertig, statt ewig an ihnen rumzupolieren, denn „perfekt“ werden sie in meinen Augen niemals sein. Stattdessen versuche ich, aus jedem Projekt etwas zu lernen und in das nächste mitzunehmen.
In meinem privaten Leben möchte ich mich stets weiterbilden und da alle meine Geschichten stark aus meinen persönlichen Erfahrungen schöpfen, möchte ich auch neue Gedanken und Gelerntes in meinen Comics einbauen.

Ein relativ neuer Anspruch ist, dass ich nachhaltig arbeiten möchte, was meine körperliche und psychische Gesundheit angeht. Wenn ich diesen Beruf noch viele Jahre ausüben möchte, dann muss ich auf mich acht geben.

Mach mehr Pausen!
Niemand vergisst dich, wenn du zur Leipziger Buchmesse nicht jedes mal einen neuen Comic hast!
Trau dich! Leute im Internet sind froh, wenn sie deine Werke finden und lesen dürfen, du nervst nicht, wenn du ein neues Projekt bewirbst.
Sei sanft mit dir. Deine Gesundheit ist wichtiger als deine Arbeit.

Comics sind der Shit und Indie Artists sind übertrieben sexy, lest Indie Comics! :)

Zocker

Slice of Life / Gaming / Romance / Queer

Obwohl „Zockl“ und „Flix“ nicht einmal den Namen des jeweils anderen kennen, reden und zocken sie täglich online. Als es Zockl eines Tages für eine Familienfeier in die Heimatstadt von Flix verschlägt, stehen die beiden plötzlich vor der Frage, ob sie ihre Beziehung ins reale Leben verlagern wollen und damit riskieren, dass sich alles ändern könnte.

„Zocker“ ist eine queere Coming of Age Serie, in der die Freundschaft der beiden Protagonisten im Mittelpunkt steht. Es geht um die erste große Liebe, Identitätsfindung, Coming Out, Erwachsenwerden, Sexualität - und natürlich Gaming!

© Ilka "Fiothin" Flanze