
Kristina Andabak
Jahrgang: 1997
- Grimmheim, Kurzgeschichte (2018)
- Grimmheim (seit 2020)
Kristinas kreative Reise 2020-2024


Ein paar Fragen an Kristina:
Was liebst du/gefällt dir am Medium Comic/Manga am meisten?
Ich bin ein visueller Mensch und liebe es, wenn Emotionen nur über Bilder vermittelt werden, die einen dann richtig berühren. Und genau das gelingt einem guten Comic bzw. Manga. Sie erzählen eine Geschichte nur mit Bildern und schaffen es, große Emotionen hervorzurufen. Mit dieser Form des Storytelling fühle ich mich persönlich einfach am Wohlsten.
Was war deine schönste Erfahrung im Selfpublishing deiner Manga?
Definitiv der Austausch mit den Leser:innen. Bereits nach dem ersten Kapitel meiner Geschichte “Grimmheim” habe ich jede Menge unterstützende Kommentare erhalten, und recht früh bekam ich sogar die ersten Fanarts zu der Serie. Das ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man merkt, dass es Leuten gefällt, was man macht. Sehr viele schöne Erfahrungen habe ich meinem Publisher zu verdanken, durch den "Grimmheim" seine erste Veröffentlichungsplattform bekommen hat, und mir die Türen zu Features, Interviews und dergleichen geöffnet hat.
Bist du bewusst im Selfpublishing und wenn ja, warum?
Der Weg des Selfpublishing war damals, 2018, tatsächlich der einzige Weg, der sich mir erschlossen hat. Mit deutschen Verlagen hatte ich mich damals noch nicht beschäftigt. Da ich meine Zeichnungen überwiegend online gepostet habe, war für mich der erste Schritt in Richtung Publishing die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Online-Publisher myfutprint entertainment der verschiedene Online-Manga-Anthologien (namentlich Saturday AM, Saturday PM und Saturday BRUNCH) herausbringt, in denen Künstler:innen aus aller Welt zusammenkommen und ihre Manga veröffentlichen. Und weil die Zusammenarbeit von vornherein sehr gut funktionierte und ich mich in der Gruppe sehr wohl fühle, bin ich auch weiterhin dort geblieben. Interessant ist, dass seit knapp 2 Jahren auch Printversionen einzelner Serien erscheinen, und damit der Weg in den professionellen Buchmarkt eröffnet wird. Somit sehe ich mich tatsächlich in einer Art Schnittstelle zwischen Selfpublishing und der größeren Verlagswelt.
Würdest du gerne Vollzeit Manga zeichnen, wenn du es dir finanziell erlauben könntest?
Es wäre schon ein kleiner Traum, der sich erfüllen würde, vom Mangazeichnen leben zu können. Gleichzeitig kann das Mangaka-Dasein sehr schnell einsam machen, ermüdend und auslaugend sein. Ich bin sehr gerne kreativ unterwegs, aber ich glaube, Abwechslung tut im Alltag gut. Wenn ich nur Mangas zeichnen würde, würde mir die Zeit und die Energie für andere Sachen im Leben fehlen und die Gefahr für einen Burnout wäre hoch. Deswegen kann ich diese Frage nicht pauschal beantworten: So sehr ich das Zeichnen liebe, es würde sehr auf die genauen Umstände ankommen, ob ich es als Vollzeitjob machen wollen würde.
Wie viele Stunden arbeitest du in der Woche ungefähr an deinem Manga?
So viele Stunden, wie ich es mir erlauben kann. Ich versuche, unter der Woche immer Zeit für GRIMMHEIM oder andere Projekte zu finden, doch das Meiste schaffe ich erst am Wochenende. Und da kann auch mal ein ganzer Samstag oder Sonntag fürs Zeichnen draufgehen, also rund 10 Stunden.
Kannst du von deinen Werken leben?
Noch nicht, leider. Es gibt zwar immer wieder Projekte, die sich finanziell lohnen, aber eben auch viele, die mir keinen Gewinn einbringen. Das ist ernüchternd, aber eben die Realität. Ich glaube, es ist als Nachwuchskünstlerin wichtig, dass man die anfängliche Erwartungshaltung, das Mangazeichnen sofort viel Geld einbringt, recht schnell ablegt, um nicht am Ende total gefrustet zu sein und die Motivation zu verlieren.
Was glaubst du, müsste sich in der Zukunft verändern, damit sich die Lage für Indie Mangaschaffende verbessert?
Ich glaube, die Unterstützung von außen ist ganz entscheidend. Ich würde mir wünschen, dass neben Verlagspublikationen deutscher Künstler:innen auch mehr Indie-Manga von Blogger:innen rezensiert werden. Dass mehr Artikel oder Interviews mit Indie-Künstlern erscheinen und das Indie-Manga eine größere Plattform und mehr Sichtbarkeit bekommen. Dahingehend: Die "Hidden-Gems" Ausstellung auf dem Comic Salon 2024 ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Welchen Stellenwert nehmen Conventions für dich und deinen Manga ein?
Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Mangaschaffenden, bin ich auf dem hiesigen Markt noch ein Küken, vor allem was die Selbstvermarktung angeht. Ich habe noch nie einen Stand auf einer Messe gehabt, deswegen kann ich dazu nur sehr wenig sagen. Meine erste Convention überhaupt war die Dokomi 2022. 2023 war ich auf der AnimagiC, als Besucherin. Ich konnte selbst dann aber schon tolle Bekanntschaften machen und Kontakte knüpfen und habe verstanden, wie wichtig der Austausch mit der Community, Leser:innen und Künstler:innen ist.
Welche Unterschiede oder Besonderheiten siehst du zwischen dem Mainstream-Manga und den Werken unabhängiger Mangaschaffenden in Bezug auf den deutschsprachigen Markt?
Was den Indie-Markt für mich so wertvoll macht, ist die Freiheit und die Vielfalt. Ich bin ehrlicherweise begeistert von der Diversität des deutschen Indie-Manga-Szene. In der Indie-Szene ist einfach für jeden Geschmack etwas dabei, und es werden Geschichten erzählt, die ich so noch nicht auf dem Mainstream-Markt gefunden habe. Sowohl beim Storytelling als auch beim Zeichenstil sind auf dem Indie-Markt keine Grenzen gesetzt. Viele Indie-Mangaka trauen sich an gewagte Themen heran und genießen völlige künstlerische Freiheit in der Umsetzung ihrer Geschichten. Das gefällt mir sehr. Und ich glaube, diese völlige Freiheit ist der größte Unterschied und die größte Besonderheit der Indie-Szene.
Was sind deine Pläne für die Zukunft, im Bezug auf deine Werke?
Für “Grimmheim”, mein Herzensprojekt, ist so einiges geplant. Neben einem deutschen Release im Eigenverlag 2025, ist dank meinem Online-Publisher auch eine englischsprachige Print-Version geplant. Dazu werde ich sicherlich in der nächsten Zeit auf meinen Social-Media-Kanälen mehr Infos geben können. Ansonsten habe ich noch andere, spannende Manga-Projekte in der Pipeline, auf die ich mich sehr freue. Auch diese werden voraussichtlich 2025 erscheinen. Ich hoffe einfach, dass die nächsten Jahre mit besonders viel Mangazeichnen gefüllt ist!
Auf welcher Veröffentlichungsplattform bzw. mit welchem Veröffentlichungsweg fühlst du dich am wohlsten?
Ich glaube, da bin ich etwas ungewöhnlich unterwegs :D. Obwohl “Grimmheim” eine deutsche Eigenproduktion ist, gibt es die Geschichte nur auf Englisch zu lesen. “Grimmheim” erscheint kapitelweise in regelmäßigen Abständen im Online-Magazin Saturday BRUNCH, als Teil der Saturday AM-Magazine. Dieses Magazin-Modell bietet einige Vorteile: Man bekommt online schonmal eine Leserschaft, kann das Feedback zu den einzelnen Kapitel später für die Printversion aufnehmen, man hat Kontakt zu einer internationalen Community an Zeichner:innen, und man selbst wächst als Künstler:in zusammen mit dem Publisher. Bis jetzt fühle ich mich sehr wohl mit diesem Weg, bin aber auch offen für Neues. Gerade für den deutschen Release beschäftige ich mich verstärkt mit Print und was es für Möglichkeiten hierzulande gibt, meinen Manga unter die Leute zu bringen.
Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für unabhängige Mangaschaffende, die im deutschsprachigen Raum arbeiten?
Bedingt durch die Zusammenarbeit mit meinem Online-Publisher, habe ich überwiegend Erfahrungen mit der internationalen Indie-Manga-Szene und taste mich erst in diesem Jahr an die deutsche Szene heran. Allerdings glaube ich, dass einige Herausforderungen für uns Mangaka gleich sind, egal, woher wir kommen. Ich glaube, die größte Herausforderung ist es, motiviert zu bleiben. Es ist schwer, ohne finanzielle Unterstützung oder großer Reichweite am Ball zu bleiben und Manga zu zeichnen. Ich sehe immer wieder, dass nach einiger Zeit die Motivation der Zeichner:innen extrem abnimmt - vor allem wenn der erwartete Erfolg ausbleibt. Dann stellt man sich unwillkürlich die Frage "Wofür mache ich das eigentlich?" " Wer liest meine Geschichte überhaupt?” Aus diesem negativen Gedankenstrudel voller Selbstzweifel herauszufinden, ist schwer, aber nicht unmöglich. Ich glaube, wenn man hartnäckig ist, dran bleibt und sich traut, aktiv den Kontakt zu Leser:innen zu suchen, dass man dann auch seine Leserschaft findet, die einen so gut sie können unterstützen.
Hast du das Gefühl, dass du von deinem (fachfremden) Umfeld (Familie, Kolleg*innen) für das Zeichnen ernst genommen wirst?
Überwiegend ja. Ich glaube, da habe ich sehr viel Glück. Meine Familie und Freunde unterstützen mich, wo sie nur können. Sie sehen das Zeichnen meiner Manga nicht nur als ein Hobby, sondern als meine Arbeit an und wertschätzen sie auch dementsprechend.
Gab es eine bestimmte technische Innovation/ eine Entwicklung in der Szene (bzgl. Druckerzeugnissen, Arbeitsmaterialien, Marketing etc.), die deine Arbeitsweise nachhaltig geprägt und positiv verändert hat?
Dazu fällt mir leider nicht viel ein, außer, dass ich 2019 von dem traditionellen auf das digitale Mangazeichnen umgestiegen bin, eigentlich nur, um es mal auszuprobieren. Mittlerweile arbeite ich nur noch digital und habe das Programm CLIP STUDIO PAINT kennen und lieben gelernt. Das hat einfach alles, was ich als Zeichnerin brauche und noch mehr.
Hat sich dein Anspruch an das Mangazeichnen über die Jahre verändert? Und wenn ja, wie?
Definitiv. Ich bin wesentlich kritischer mit mir selbst geworden. Ich möchte mich so weit es geht professionalisieren und sowohl mein Storytelling als auch meine Zeichnungen auf das höchste Level bringen. Vor ein paar Jahren habe ich zum Teil sehr fehlerhafte Zeichnungen (z.B. in der Anatomie, der Perspektive, das Übliche halt) nicht korrigiert und bin von Seite zu Seite gehüpft. Das wäre heute Perfektionismus sei Dank nicht mehr möglich. Ich versuche jedes Panel so gut und fehlerfrei wie möglich zu machen, auch wenn ich dafür länger für eine Seite brauche. Zeichnerisch und auch als Autorin habe ich noch nicht ausgelernt (kann man das überhaupt?), aber man erkennt eine große Entwicklung, wenn man die Seiten von 2020 neben die von 2024 legt. Und ich bin sicher, dass diese Entwicklung nur möglich war, weil ich das Mangazeichnen wesentlich ernster nehme und den Weg in die Professionalität suche.
Was würdest du deinem früherem „Ich“ gerne mit auf den Weg geben?
Überdenk nicht zu viel, aber nimm dir ruhig die Zeit, die du brauchst, das Konzept deiner Geschichte gut genug zu entwickeln, bevor du beginnst zu zeichnen.
Grimmheim
Dark Fantasy
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© Kristina Andabak